La mer gelée

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MORGENSTERN UND ABENDSTERN

Sylvia John
  
 


"Der Mensch - ist frei... er hat selbst für alles zu bezahlen;
für seinen Glauben, für seinen Unglauben,
für seine Liebe,
für seine Vernunft.
Der Mensch zahlt für alles selbst
und darum ist er - frei."


Maxim Gorki: Nachtasyl



In Omas Keller hauste ein desertierter Russe. Vor etlichen Jahren. Nimm dich in Acht, schließ die Tür, drohte Omas Finger.
Und warum holst du nicht die Polizei?
Später lebte der Russe auf dem Dachboden, neben Omas Küche.
Pst, die machen den dann tot, flüstert Oma und stellt ein Schälchen Essen auf die Treppe zum Dachboden. Wir schließen dauernd die Küchentür ab. Omas Küche hat ein richtiges Fenster zur Straße und ein Bullauge auf der anderen Seite, Bambusstangen trennen den Raum in zwei Hälften. Am Raumteiler steht Omas Bett. Sie hebt mich hoch zur Dachluke, damit ich das Panorama sehe, ich schaue küchenabwärts in die Landkarte kleiner Häuschen. Im Hintergrund ist Buchenwald.
Ist es nicht schön?
Omas Lieblingsfrage, und ihre Augen schwimmen in der großen Brille, wie zwei Fische und ihr Mund ist schmal und lacht, und vor Anstrengung mich hochzuheben, ist sie ganz rot geworden im Gesicht, und ich soll mich freuen mit ihr, weil sie mich ins Panorama hebt, und ich schwer bin. Oma ist klein und rundlich.
Ich weiß nicht, erwidere ich, meinungslos zum ausgerollten Teppichland in unserer Dachluke, ob die Stadt stehen bleibt, wenn wir das Fenster schließen?
Oma jongliert mit drei Äpfeln und lacht, als ich am anderen Fenster zur Straße die Ameisenader verfolge, vom Fensterbrett aus. Sollen wir ihnen auch Essen hinstellen?
Nein, die Viecher sind überall, und sicherheitshalber stellt sie Giftschälchen auf.
Ich verfolge die dünne Linie flirrender Ameisen auf ihren Pilgerpfad in grünem Ölpaneel. Vom Fenster aus schlagen sie einen geraden Pass die Wand hinunter, und über das Gebirge der Scheuerleisten verschwinden sie in einem Mauerloch.
Spiel nicht immer rum, geh und hol mir das Mehl, sagt Oma.
Unter dem Mehl im Küchenschrank sind auch Ameisen. Einige waren vorhin in meinem Pudding.
Oma brät Eierkuchen mit toten Ameisen. Es zischt in der Pfanne.
Sie lacht, weil sie Eierkuchensalti in der Luft machen kann.
Oma, und wenn die anderen Recht haben und es gibt ihn doch?
Quatsch, wir brauchen keinen Gott, wir machen alles selbst.
Und wieder springt ein Eierkuchen aus der Pfanne in die Höhe und dreht sich zweimal.
Haste das gesehen? ruft mir die begeisterte Oma zu, zweifach, fabelhaft, mal sehen ob ich drei schaffe.
Woher weißt du das?
Oma schnalzt mit der Zunge und lässt einen weiteren Eierkuchen durch die Luft sausen.
Das ist dumm und primitiv, altes Zeug von früher.
Ich bin beleidigt, weil meine Freundin, die an Gott glaubt gar nicht dumm und alt ist, und ich würde gern wissen, was los ist mit Gott.

Juri Gagarin war als erster im Kosmos und hat keinen Gott getroffen.
Ein Teigufo überschlägt sich. Einmal, zweimal, dreimal, viermal.
Das ist der Beweis, lacht Oma mit hochroten Kopf, und der Eierkuchen klebt an der Decke.
Wir schauen hoch. Der Eierkuchenmond grinst. Als ich dann spielen will, wünscht Oma, dass ich zuerst meinen Kram aufräume, und ich krieche zwischen der Leiter durch, auf der Oma den Eierkuchen von der Decke kratzt, vorbei an Ameisenstraße, Panorama, Treppe zum Russen, ins Wohnzimmer.
Ich sortiere Dinge in Schachteln und beschrifte sie so: xxx. Ich schaue gelangweilt in die Puppenstube. Die Puppen sitzen vor dem Fernseher. Die Hamsterfamilie im Bilderbuch wird glücklich, weil sie Vorräte sammelt. So wie Oma. Falls noch mal Krieg kommt.
Ich frage mich, ob Oma die gleiche ist in meiner Abwesenheit, oder ob sie dann eine andere Oma ist.
Und die Freundin hat über mich gelacht, Gott ist doch nur eine Idee. Wenn du dran glaubst, dann ist er da.
Aber ich verstehe nicht, wozu man Gott wollen oder nicht wollen soll.
Ich will endlich spielen, aber ich weiß nicht was.
Das Problem ist, beides geht nicht, entweder Oma oder Gott.
Als alles aufgeräumt ist, liege ich auf dem Teppich und schlafe auf der Stelle ein.

Und unsere Wohnungstür daheim ist aus Glas. Die Mutter bringt eine Gardine an, damit nicht jeder reingucken kann. Und wenn ich Winkel für Winkel im Haus anfasse, erobere, dann kommt der Nachtmahr und nimmt es mir weg, am Abend wird das Haus seltsam. Weil ich kleiner werde und das Haus größer? Aber es ist doch dasselbe Haus. Weil ich nicht zurückholen kann, was ich nicht weiß? Und wenn ich etwas mache, eine Tätigkeit, oder lese, oder still bin, kommt es mir ebenso abhanden, das Haus, und dann kommt Sturm auf,
und es könnte brennen im Dachstuhl oder im Keller.
Am Abend ist das Haus jedes Haus und ich, bin ich das Echo von jedem Haus?

Oma?
Unendliche Stufen nach oben zur Oma, die Suppe bringen, ins Feuer und hoch.
Wo ist sie denn, die Oma, ruf ich ins dunkle Treppenhaus und stehe still, bis Licht angeht im Treppenhaus, ist es jetzt oder damals? Wo es nach Milchreis und kleinen Kindern riecht?
Umarme weißes Kindergartengeländer und fürchte ihn.
Er soll verschwinden, dieser Junge, wie er mich anstarrt, so rosig, stets mir voraus, um eine Nasenlänge, und meine Nase ist sehr lang, wenn ich unterhalb der letzten Stufe bin, mich links am Geländer festhalten muss, ohne Luft, und vor der letzten Stufe springt er aus dem Bild von der Wand, direkt vor meine Füße, warum glotzt der so, und ich schwitze und schaue nach unten, schon so spät?
Als ich oben bin, lächelt er scheu im Tierpark aus dem Bild ohne Ameisen, und die anderen Kinder warten auf mich, und ich kapituliere im Schweiß, vor dem Lachen seiner Hände in warmen Manteltaschen, weil es kalt ist und hinter ihm die Tiere, so friedlich im Schnee.
Und meine Mutter tuschelt abwärts im Treppenhaus, als ich die Ärmel nach oben rolle, weil mir heiß ist.
Ach, sagt sie und meint mich, das merkt die Kleine nicht, sie ist ein dummes Kind.
Und ich betrachte meine Handflächen, woher die tiefen Furchen, in der Hand vom dummen Kind?
Ich reiße Peter von der Wand, und unter meinen Mantel verborgen schleppe ich ihn fort, vergrabe ihn in Omas Garten in der Sandkiste. Für immer.

Wieder so viele Treppen, dreißig hinauf, alle wohnen im Dach, auch die Muttermilch der anderen Mutter, die ich jetzt holen muss. Und rechter Hand schon da, weil ich an ihn denke, na wer, im Mantel geborgen, mit glatten Kinderhänden? Und wenn ich oben bin, wenn ich endlich oben bin, irgendwann werde ich oben sein müssen.
Dann, wenn der Dachstuhl nicht brennt und es nicht nach Qualm riecht, kann ich mich dann einmal auf den Stuhl setzen und ausruhen?
Ja?
Kann ich das dann machen, wenn alle satt sind, oder wird der Stuhl verbrannt sein?

Der Vater steht auf dem Stuhl und bringt die Christbaumkerzen an. Und die durchgebogene Fragen der Mutter gehen so an Oma vorbei in die traurigen Wände, sind nicht meine, und nicht die vom schwarzen schnellen Tag.
Sie sind woanders, die Fragen der Mutter, lauern im Kuchen und in Kittelschürzentaschen. Du hast eine Ameise auf der Kittelschürze, Mutti.
Hilf mir doch mal, sagt der Vater als sich das Kind auf den Stuhl setzen will, und steck den Stecker in die Steckdose hier, und ich mach das, und in mir explodiert es.
Ich brenne.
Kurzschluss, schreit es aus dem Vater, mach ihn raus, den Stecker, wir brauchen neue Kerzen, und ich rase runter zur Erde, mit dem Stecker in der Hand aufs offene Meer, um die Hitze zu stillen, und die Mutter hat mir einen Topf mitgegeben, den ich schnell bringen soll, aber nicht wackeln, der muss gerade stehen, nicht umkippen im Beutel, weil er sonst ausläuft.

Der Topf schnellt ans Knie, als ich hüpfe... 3 und ...7, klingklong...12. Und die anderen Kinder draußen lachen.
Halt, stehen bleiben! Was ist im Topf?
Essen, sage ich.
Iigittt, wie eklig. Spielst du nicht mit?
Nein, ich muss Oma die Suppe bringen, weil sie nachts arbeitet im Kinderheim.
Und dann?
Muss ich Milch für den Bruder holen von der Amme, und da kommen die Tränen, ausgerechnet jetzt, wie blöd, wie falsch. Sie brüllen und schreien, jagen die Tasche, die an mir festgewachsen ist, ich zähle Kästchen bis 33, und der Dachstuhl am Ende der Straße von Omas Haus geht in Flammen auf, ich stürme los, die Kinder hinter mir; Gib her die Milch! Gib die Suppe! Die Tasche nah am Leib, spüre ich warmen Strom und Nässe am Bauch und heißen Atem im Rücken, vier Stufen auf einmal, und Kinderhände zerren im Nacken, Spielverderber! Spielverderber! noch vier Stufen, und weg sind sie, spielen im Tierpark und lachen sich Kartoffeln aus dem Mund, die Suppe tropft in Fäden entlang der Hosennaht, geschafft, die Mutter wird schimpfen.
Oma mach doch auf!
es dauert und ich platze gleich, und meine Gemüsehose dampft nach Sellerie und Kindergarten, sie wird doch nicht tot sein!

Und in der Nacht weint der Bruder den wunden hohen Ton geriebenen Metalls, ins geschwollene Fleisch.
Verzerrter Greis, der kleine Kerl, behutsam ausgewickelt und an mich gedrückt, so winzig, als ich in seine Stimme kroch, in Stiche wider leere Mutterbrust, oh Schreck, du Koboldfratze, Wolfsgesicht mit aufgerissnem Schlund! Was rein tun in das Brüllen?
-Was!
hast-du-gemacht!
Fährt sie als Schwert dazwischen, die plötzliche Mutter zerteilt Gut und Böse, der Ort erstarrt zu Säure.
Verschwinde!!
Das Kind liegt lange wach, kann nicht schlafen, weil es im Tag verbissen ist.
Vielleicht ist die Milch sauer und er ist jetzt krank wegen der Milch, die ich falsch gemacht habe, denkt es unter der Bettdecke mit dem Daumen im Mund, dann fällt es in den Ausguss und gelangt durch ein Abflussrohr in einen dumpfen Schlaf.
Erbsen kullern auf den Boden, die Suppe weint, die Tür öffnet sich, durch den Qualm dringt die Oma-Hand und die Nebeloma grinst, ja ist es denn Oma, die mich in den Qualm zieht?

Du kommst aber spät. Mutti, die Oma brennt! Iss deinen Kuchen.
Da sind Käfer im Kuchen! Aber nein, der Kuchen ist nicht giftig, die Punkte sind der Mohn im Kuchen, sagt die Mutter.
Die Suppe hungert und Oma ist übergelaufen?
Du musst das nächste Mal den Deckel fester draufdrücken.
Und über mir im Bett, schwingt was, und der Wind faucht draußen, die Äste bekämpfen sich an der Decke wie zwei fechtende Messer, und ich höre ein Knacken da oben, und bin ganz leise, damit mich niemand hört und mitnimmt, und dann krabbelt was, ein Züngeln, Flammen,
Mutter?
Sei still.

Sag mal, wo wohnt denn Gott so, sage ich zur Freundin im Sandkasten. Wir bauen eine Sandstadt. Sie streicht mit Bleistiftfingern über den roten Sand-Anorak und wirft den langen Zopf nach hinten. Erst betrachtet sie ihre Hände und dann mich. Vorwiegend oben, sagt sie, und wir schauen beide hoch in den dreifaltigen Himmel.
Die Stadt hat igluförmige Häuschen und Straßen, die über gehörige Gefälle führen. (Peter steckt unentdeckt im Fundament).

Hm, ich weiß, wo er ist.
Wir steigen heimlich auf den Dachboden. Vorsicht Oma! Spuren eines Lagers, eine Matratze, Teller und Tassen auf Zeitungspapier, schmutzige Lappen.
Gott ist nicht da, flüstere ich in das Ohr meiner Freundin.
Das ist doch nur ein Russe. Ich hab dir doch gesagt, dass Gott eine Idee ist, und die kann überall sein.
Also auch ein Russe?
Nein, der nicht.
Wieso kann Gott kein Russe sein?
Schweigen und Kopfschütteln. Sie überlegt lange: Es ist an besondere Leistungen geknüpft.
Aha.

Ich, allein an Omas Küchentisch. Ich zeichne eine Tabelle.

Was Oma will
1. Suppe essen 2. einen Fernseher, um den Krieg zu vergessen 3. keine Ameisen 4. den Russen loswerden, ohne Polizei 5. dass ich niemals rauchen werde

Was Mutter will
1. eigene Muttermilch 2. keine Schreie, keinen Streit 3. Rettung

Was Vater will
1. elektrische Geräte 2. Christbaum 3. Ruhe 4. dass ich schneller bin 5. Gehorsam

was ich will
1. dass es nicht mehr brennt 2. wissen: bin ich nur, wenn Oma an mich denkt, wie Gott nur ist, wenn ich an ihn glaube? (so wie der Junge aus dem Bild erscheint, wenn ich an ihn denke) Und ich (Beweis) könnte ich nicht auch einmal Gott sein? (was laut Freundin durchaus möglich ist.)
Aber wer glaubt dann an mich?

was der Bruder will
1.2.3.4.5. Muttermilch 6. sprechen? 7. keine Ahnung

DAS MUSS DOCH GEHEN.

Der Baum strahlt mit echten Kerzen und wir sitzen schlapp drum herum. Das Essen war so gut, aber zuviel, hüstelt Oma verlegen unter ihrer imprägnierten Dauerwelle. Weihnachtsmusik quäkt aus dem Radio. Die Mutter schimpft mit der Schranktür im Rücken.
Die Klappe geht immer auf, zischt sie Richtung Vater. Der gähnt, stell doch den Stuhl davor.
Die Mutter war auch beim Friseur. Sie schiebt die Stuhllehne näher zum Schrank, sinkt nieder und blendet das Schlechte hinter ihrem Rücken aus. Der Weihnachtsstollen sitzt wie eine Kröte auf dem Tisch.
Was für schöne Geschenke, aber die Lehne zerkratzt doch den Schrank, sorgt sich Mutti.
Da - nimm ein Kissen, grunzt der Vater und greift nach dem Kuchen. Eine Ameise eingeschlossen von Vaterdaumen und Rosine. Noch eine. Unbemerkt krabbeln welche zum Puderzuckergipfel, drei Zentimeter vom Vatermund entfernt. Die Mutter steht auf, flucht und quetscht zwischen Lehne und Schrank ein Kissen. Dann sitzen wir endlich mit Blick zum Baum. Vater öffnet den Mund, ich sage nichts, er beißt rein.
Oma klagt, dass es früher nicht so schön war, ohne Essen und Geschenke im Bombenkeller. Und da brüllt der Bruder mitten in das schöne Fest hinein, zerschmettert auf der Stelle den Glanz der Stube, und wird von allen getätschelt, und der Vater befiehlt,
Komm, hol die Milch!
Rein in die kratzigen Wollsachen, die Tasche nach unten, Beine untern Arm, zur anderen Mutter, hinaus in den Sturm, es ist schwer gegen den Wind und keiner auf der Straße, alle Kästchen unterm Schnee, und die Kälte ist schneller als ich, als gestern, und der Weg hört nicht auf, und in den Puppenstuben strahlen Lichter und Musik und dampfende Fenster mit Vorräten gefüllt, und meine Nase läuft, als ich zurückkomme, aufgesaugt vom Schnee, mit der Milch in die Straße biege, ist was Helles oben am Himmel, freut sich das Kind, als es durch Gebläse an Wandwind bricht, was leuchtet da auf unserm Dach?

Du kannst da nicht durch, wir löschen.
Ich finde ein Schlupfloch, so wie das Wasser überall hinläuft, oder die Ameisen, großer Schritt, drei Stufen.
Qualm
Die Eingangstür der Nachbarin ist keine mehr, die Treppen kohlrabenschwarz, das Geländer verrußt wie meine Hände, und oben, oben ist Stille und Nacht, die Türen offen, die Dielen knarren ungehemmt, der Baum dagegen krümmt sich und raucht ohne Nadeln ins geschwärzte Wohnzimmer.
Oma liegt angebräunt im Sessel, der Schokoladenvater auf dem Sofa, oh, je, es riecht gut, nach Tannennadeln und Weihnachtsbraten, die Mutter auf der Erde reglos hingesunken, der Babybruder im Bett neben dem Weihnachtsbaum schreit nicht, sie atmen nicht, als ich meine Hand auf die Stelle lege, wo ihre Herzen sind, ist nichts.
Weil ich mich hinsetzen will, ist der Stuhl verbrannt.

Ich stehe so da mit dem Beutel und der Muttermilch drin und fange an, die geschrumpfte Wohnung aufzuräumen. Die Gardine zerrupftes Federvieh in Teer. Alle Farben verstecken sich. Ich decke Oma mit einer löchrigen Decke zu und drücke Eierkuchen auf die warmen Brandstellen im Stoff.
Oma sieht fröhlich aus,
Der Vater auf dem Sofa hat keine Decke, und ich wickle Drähte der elektrischen Baumkerzen um seine Beine, die sind so schwer, und um den Leib bis hoch zur Schulter, für den Kopf reicht der Draht nicht mehr, sein Mund steht offen, ich knipse die Lichter an.
Der Vater leuchtet.
Ich hole die Zinkwanne aus der Küche. Nehme die ganze Milch aus dem Kühlschrank und die aus dem Beutel und gieße die Wanne damit voll. Die Wanne schiebe ich vor den Baum. Das dauert lange, weil die Wanne ein Geräusch hinter sich her zieht. Ich krame das Bild von Peter im Tierpark aus meinen Sachen und lege meinen Bruder drauf, damit er so glücklich ist wie Peter. Mein Bruder, fest mit Paketschnur an Peter gewickelt, schwimmt jetzt in der Milchwanne. Die Mutter ist schwer. Ich ziehe an ihren Armen. Die Arme hängen schlaff über dem Wannenrand und ihre Brüste sind in der Milch, ich stecke ein Trinkröhrchen in den Mund des Bruders, und lasse das andere Ende in die weiße Milch ein.

Keine Ameisen weit und breit.

Wände, Decken, Böden in schwarzem Samt gehüllt, verkohlte Dämpfe verfangen sich und bleiben im entfärbten Weihnachten stecken. Neben dem leuchtenden Vater, der Pfannkuchenoma, der Milchwanne mit Bruder und Mutter, dem Weihnachtsbaum, stehe ich und male ein Herz in den rußigen Tisch.
Aus einer einzigen Schleifspur, dem Schleier zur Wanne, schlängeln sich allmählich weiße Milchadern kreuz und quer durch die Wohnung aus Asche.
Das Kind raucht eine Zigarette vom Vater aus der Hosentasche und bläst Kringel ins stumme Bild.
Der Bruder schreit nicht. Ich drehe ihre Köpfe in dieselbe Richtung. Zum Schwarz-Weiß-Fernseher. Ich schalte ihn an, und dann Kurzschluss.






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